Südtirol - Vinschgauer Kastanienverein
Willkommen | Anbaugebiet | Rund um die Kastanie | Für Kastanienbauern | Der Verein | Verkauf |
Das Anbaugebiet Vinschgau
Klima
Die Geschichte der Kastanie

Der Vinschgau, der Westliche Teil Südtirol


Wer über dem Reschenpaß Richtung Meran fährt, durchreist den Vinschgau der bei Meran endet. Auf der Fahrt begegnet man ab Kortsch die ersten Boten mediterranen Klimas, Wein und Edelkastanien.

Da der Vinschgau ein Längstal in Ost/West Richtung ist, hat der Vinschgau eine ausgesprochen warme Sonnenseite, Sonnenberg genannt. Am Fuße des Sonnenbergs wächst die Edelkastanie.

Der Kastanienbaum ist eines der faszinierendsten und typischsten Elemente der Untervinschgauer Kulturlandschaft und wir können uns glücklich schätzen , dass auf unserem Boden diese Zeitzeugen stehen und es sollte unser aller Anliegen sein, diese schönen Naturdenkmäler zu pflegen und zu erhalten.

Die Kastanienzeit ist von Anfang Oktober bis Mitte November.


 


Kastanienanbau in Südtirol


Johann Laimer, Kastanienbauer


Mit ungefähr 450 Ha, ist die Kastanie nach dem Obst und Weinanbau, flächenmäßig die bedeutendste Kulturart in Südtirol. Laut Letzter Zählung der Forstbehörde, scheinen in der Kastanienkartei 2000 Besitzer von Kastanienbäumen auf. Die Edelkastanie (Castanea sativa) erstreckt sich von Salurn über das Eisacktal bis nach Franzensfeste und über das Vinschgau bis nach Kortsch. Mit ein wenig mehr Professionalität, im Anbau und in der Vermarktung,  könnte der Kastanienanbau durchaus eine gewinnbringende Ergänzung zum Obst und Weinanbau sein. 



Ansprüche an Boden und Klima
Die Edelkastanie ist eine wärmeliebende Pflanze, sie hält aber über eine kurze Zeit auch Temperaturen von -15 bis -20 Grad aus. Der Jahresniederschlag sollte gleichmäßig verteilt bei über 600 mm liegen, sollten die Werte darunter sein, muss zusätzlich bewässert werden. Gepflanzt werden kann in Südtirol (sortenabhängig) bis auf eine Meereshöhe von 1000 Meter. Maronen gedeihen nur bis 700 Meter. Auch japanische Hybriden sollten nicht über 600 Meter gepflanzt werden. Für eine gute Blütenbildung ist viel Licht erforderlich. In nördlichen Gebieten sollten nur Südhänge bepflanzt werden. Bevorzugt werden saure Böden, mit pH Werten von 5-6, vulkanischen Ursprungs. Auf keinen Fall sollte auf kalkhaltigen Böden gepflanzt werden, hier ist mit starker Chlorose und schwachem Wachstum zu rechnen. Auf schweren Böden mit hohem Lehm oder Ton-Anteil kommt es häufig zu Staunässe. Die Wurzeln faulen hier regelrecht und es herrschen ideale Bedingungen für schädliche Pilze (Tintenkrankheit). Die Edelkastanie liebt tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Böden.



Bewässerung für Pflanzengesundheit notwendig
Bei Neupflanzungen ist eine zusätzliche Bewässerung unbedingt notwendig. Aber auch bei alten, bereits bestehenden Kastanienhainen, bringt sie Vorteile. Bäume, die unter Trockenstress leiden, produzieren viel kleinere Früchte und sind viel anfälliger für Krankheiten. Junge Bäume, die unter Trockenheit leiden, treten viel schneller in die Ertragsphase über und bleiben dadurch klein und schwach. Um einen weitflächigen Wurzelaufbau zu fördern sollte das Wasser großflächig ausgebracht werden. Tropfbewässerung eignet sich in den ersten Jahren bei Junganlagen. Später, oder bei Altbeständen, hat sich Mikrojetbewässerung oder Unterkronenberegnung mittels kleiner Beregner, besser bewährt. Besonders ab August muss die Wasserversorgung gewährleistet sein, was entscheidend für die Fruchtgröße ist. Um gute Erträge zu erzielen und die Gesundheit der Bäume zu fördern, sollte auf eine zusätzliche Düngung nicht verzichtet werden. Gerade dort, wo jährlich Laub und Igel entfernt werden, wird die Humusbildung verhindert. Für eine gezielte Düngung sollte unbedingt eine Bodenprobe gemacht werden. Stallmist eignet sich hervorragend zur organischen Düngung. Er verbessert die Bodenstruktur und erhöht den Humusgehalt. Es können aber auch handelsübliche organische Dünger, wie z.B. Hühnermist oder Biosol verwendet werden, die gleichzeitig eine gute Nebenwirkung auf schädliche Pilze haben. Die Kastanie benötigt eine gute Kalium Versorgung. Durch den hohen Anteil in der Frucht wird dieser Nährstoff bei der Ernte in hohem Maße entzogen. Kalium spielt auch bei der Wasserversorgung eine große Rolle. Ein ausgeglichener Kaliumgehalt erhöht die Widerstandskraft bei Trockenheit. Werden mineralische Dünger verwendet sollten sie reich an Stickstoff und Kalium sein und einen geringen Salzgehalt aufweisen. Kalkhaltige Dünger sollte man nicht verwenden. Um hohe Erträge zu erzielen ist eine gute Befruchtung ausschlaggebend. Weil viele Kastaniensorten steril sind, männliche Blüten sind zwar vorhanden blühen aber nicht auf, sind sie auf Fremdbestäubung angewiesen. Hier ist es von Vorteil, wenn Wildbestände in der näheren Umgebung stehen. Entgegen der landläufigen Meinung werden Kastanien durch den Wind, aber kaum durch Bienen und Insekten bestäubt. Kastanienblütenpollen sind sehr träge, und werden dadurch nicht sehr weit vom Wind getragen. Es empfiehlt sich auch im Kastanienhain Wildbäume stehen zu lassen, oder bei Neuanlagen Befruchter mit einzuplanen. Größere Schnittmaßnahmen sollten nur in der kalten Jahreszeit ausgeführt werden, um ein Übertragen der Rindenkrebssporen zu verhindern. Pilzsporen sind ab +4 Grad aktiv. In Gebieten mit hohem Rindenkrebsrisiko sollte jede Schnittmaßnahme gut überlegt sein, jede Wunde dient als Eintrittspforte für diesen Erreger. Bei Jungbäumen sollten überzählige Triebe entfernt werden. Junge, dünne Triebe können auch weggerissen werden. Beim Reißen werden keine Zellen geteilt, und somit wird Krankheitserregern das Eindringen erschwert. Zu tief stehende Äste, die später das Bearbeiten erschweren, sollten frühzeitig abgeschnitten werden. Die Schnittstellen anschließend mit Baumwachs verstreichen. In Ertragsanlagen geht das Längenwachstum der Triebe mit den Jahren drastisch zurück. Für gute Erträge und große Früchte sind jedoch Längenwachstum und Dicke der Triebe entscheidend. Ein Auslichten der Baumkrone bringt wenig Erfolg, dieses regt das Wachstum zu wenig an, und die entstehenden Lücken wachsen nicht mehr zu. Hier hat sich ein drastischer Rückschnitt besser bewährt. Innerhalb kurzer Zeit formiert sich, bedingt durch den starken Neuzuwachs, eine neue Krone. In Spanien und Italien wird bei abgetragenen Bäumen die sogenannte Capitozatura angewandt, dabei wird der Baum gleich oberhalb der Veredelungsstelle geköpft.



Gefährlicher Schädling
Die Kastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) gilt als der gefährlichste Schädling der Esskastanie. Das ursprüngliche Heimatgebiet der Kastaniengallwespe ist Südchina. Von dort wurde der Schädling nach Japan verschleppt, wo er sich innerhalb weniger Jahrzehnte über das ganze Land ausbreitete. Vermutlich mit befallenem Pflanzmaterial erfolgte die Verschleppung in die USA und schließlich auch nach Europa, wo in Italien (Provinz Cuneo − Piemont) im Jahr 2002 erstmals Befall festgestellt wurde. Bereits innerhalb weniger Jahre wurden auch in anderen Kastanienanbaugebieten Italiens Befall nachgewiesen, wobei stets befallenes Pflanzenmaterial für die Verschleppung verantwortlich gewesen sein dürfte. Im Jahr 2008 wurden erstmals auch in Südtirol befallene Bäume festgestellt.


Ausgezeichnete Erfolge mit biologischer Bekämpfung
Die einzige derzeit zur Verfügung stehende und Erfolg versprechende Gegenmaßnahme stellt die biologische Bekämpfung durch den gezielten Einsatz von spezifischen Gegenspielern dar. Bereits im Jahr 2010 hat der Pflanzenschutzdienst des Landes ein Abkommen mit der Universität Turin geschlossen, die sich auf die Züchtung der Schlupfwespe Torymus sinensis spezialisiert haben. Seit dem Jahr 2010 wurden in Südtirol in 120 Standorten 18000 Nützlinge freigelassen. Heuer durchgeführte Kontrollen zur Parasitierung, durch die Forstbehörde, ergaben ein sehr erfreuliches Ergebnis.  Gebietsweise konnte eine Parasitierung von 50 bis sogar 80 Prozent festgestellt werden.


Größtes Problem ist der Kastaninrindenkrebs
Der Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) gehört zur Gattung der Schlauchpilze, und ist in China beheimatet. Er befällt Kastanienbäume und Eichen, wobei er bei Eichen nur schwache Symptome bildet, und diese nicht zum Absterben bringt. In Nordamerika wurde er erstmals 1904 entdeckt, und zerstörte bis 1950 fast den ganzen Kastanienbestand Amerikas. Die Amerikanische Kastanie (Castanea dentata) ist hoch sensibel auf diesen Pilz, dass auch bis heute keine größeren Neuanpflanzungen mit dieser Gattung möglich sind. Sie kommt zwar noch teilweise als Unterbewuchs im Wald vor, erreicht aber kaum mehr als zehn Zentimeter Durchmesser. In Europa wurde der Rindenkrebs erstmals 1938 in der Nähe von Genua gefunden, wo er wahrscheinlich mit Kastanienholzfässern aus Amerika eingeschleppt wurde. Von dort aus verbreitete er sich innerhalb fünfzig Jahren in ganz Europa. Nur Nordfrankreich, England und die Kanarischen Inseln sollen noch nicht befallen sein. Die Europäische Kastanie (Castanea sativa) ist glücklicherweise nicht so anfällig wie die Amerikanische. Ab 1970 wurden auch in Südtirol erste Befallsherde entdeckt, die bis heute zum Absterben vieler Bäume führten. Gleichzeitig haben sich Krebsstämme in abgeschwächter Form gebildet, man spricht hier von Hypervirulenz, die den Baum befallen, aber nicht mehr zum Absterben bringen. Seit 1980 wurden auch in Südtirol solche Pilzstämme gezielt im ganzen Land ausgebracht, mit sehr gutem Erfolg. Im Kastanienhain dürfen solche hypervirulenten Pilzstämme keinesfalls entfernt werden, um ein Weitervermehren zu garantieren.


Bekämpfung schwierig
Einzig sinnvolle Bekämpfung ist die Verbreitung hypervirulenter Stämme. Jegliche Stressfaktoren wie Trockenheit usw. die den Baum schwächen, sind zu vermeiden. Befallene Äste sollen unbedingt entfernt werden, um nicht als Infektionsherd zu dienen. Verletzungen jeglicher Art sind Eintrittspforten für den Pilz. Alle offenen Wunden mit Wundbalsam verstreichen.




Neupflanzungen
Kastanien-Neuanlagen sind in Südtirol zwar eine Seltenheit, jedoch einige positive Beispiele beweisen, dass es ohne weiteres eine gute Ergänzung zum herkömmlichen Obstanbau sein könnte. Gerade in sehr steilem Gelände, wo Apfel- und Weinanbau nur mit sehr hohem Arbeitsaufwand bewältigt werden kann, oder in den üblichen hagelgefährdeten Gebieten. Abgesehen von sehr starken Hagelschlägen sind bei normalem Hagel keine Ernteeinbußen zu befürchten. Bei gerademal 100 bis 200 Bäumen pro Ha ohne aufwendige Stützgerüste, sind die Kosten für die Erstellung einer Neuanlage sehr bescheiden. Bei optimaler Pflege kann man, abhängig von der Sorte, bereits ab dem 3-4 Jahr mit den ersten Kastanien rechnen. Vor dem Pflanzen sollte der Boden gelockert werden, um ein schnelles anwurzeln der Jungbäume zu begünstigen. Oberflächlich liegende Steine sollten entfernt werden und es ist von Vorteil, wenn einige Wege in die Anlage mit eingeplant werden, um das spätere Bearbeiten zu erleichtern.
Wahl der Sorte ausschlaggebend
Beim Kauf der Kastanienbäume sollte die Sorte unbedingt bekannt sein, und vom Händler garantiert werden. In Lagen von 300 bis 700 Meter Meereshöhe sollten Maronen gepflanzt werden, in Südtirol besser bekannt als Gelbe wie z.B. Tisner, Völlaner oder gelbe Barbianer. Als Ergänzung zur Südtiroler Gelben, erscheint nur die europäisch-japanische Hybridsorte Bouche de Betizac als interessant. Sie ist die einzige Kastaniensorte die eine vollständige Resistenz gegen die Kastaniengallwespe aufweist, und gleichzeitig auch resistent gegen Kastanienrost ist. Bereits Mitte September reif, ist sie geschmacklich die Beste unter den europäisch-japanischen Kreuzungen. Für höhere Lagen müsste in Zukunft eine eigene Sorte selektioniert werden, weil hier die Südtiroler Gelbe zu spät oder gar nicht mehr ausreift. Um hohe Erträge zu erzielen ist es von Vorteil Befruchter- Sorten mit einzuplanen, gerade in Gebieten wo kaum Wildbestände zur Befruchtung in unmittelbarer Nähe vorhanden sind.


Pflege entscheidend für Erfolg
In Südtirol werden ausschließlich Kastanienbäume im Topf angeboten, somit besteht die Möglichkeit über die gesamte Vegetationszeit zu pflanzen. Wird im Sommer gepflanzt, sollte die Beregnungsanlage bereits vorher installiert und betriebsbereit sein, um Trockenstress zu vermeiden. Die Pflanzabstände hängen von der Fruchtbarkeit des Bodens ab, und sind auf alle Fälle so zu wählen, dass auch später keine gegenseitige Beschattung stattfindet. Unsere lokale Sorte, Südtiroler Gelbe, sollte in Abständen von 10 x 10 Meter gepflanzt werden. Bei europäisch-japanischen Hybriden können engere Abstände gewählt werden. Befindet sich das Grundstück auf sehr steilem Gelände, kann in der Falllinie auch enger gepflanzt werden. Um frühzeitig hohe Erträge zu erwirtschaften, wird teilweise anfangs enger gepflanzt, und später jeder zweite Baum entfernt. Sind die Bäume gepflanzt, müssen sie fortlaufend an einem Pfahl befestigt werden um
Windschäden zu verhindern und ein aufrechtes Wachstum zu ermöglichen. Ist das Grundstück nicht weitläufig umzäunt sollte ein Einzelschutz angebracht werden um Wildverbiss zu verhindern. Seitenäste werden bis auf einer Höhe von 1.80 Meter entfernt um unerwünschte, zu tief stehende Äste zu vermeiden, die später das Bearbeiten erschweren. Der Stammgrund sollte im näheren Umkreis das ganze Jahr über frei von Gras und Unkraut gehalten werden. Gerade der Stammgrund, wo sich die Veredelungsstelle befindet, ist sehr anfällig für Rindenkrebsbefall. Gleichzeitig werden Verletzungen des Stammes bei Mäharbeiten verhindert. Auf ausreichende Bewässerung und eine angemessene Düngung muss geachtet werden. Ist genügend Wasser vorhanden, ist eine Beregnungsanlage der Tropfbewässerung vorzuziehen. Gedüngt wird mit Stallmist, oder handelsüblichem organischem Dünger. Es können aber auch mineralische Dünger verwendet werden. Hier ist darauf zu achten, dass sie nicht kalkhaltig sind und einen niederen Salzgehalt aufweisen.


Fazit
In den nächsten 10 Jahren müssten in Europa 40000 Ha nachgepflanzt werden, um die aktuell produzierte Menge zu halten.  Diese Aussage von AREFLH Präsident  Joseph Maria Pelegri, auf dem Letzten internationalen Kastanienkongress 2013 in Bologna, verdeutlicht die enorme Marktchance. Die Kastanienbestände in Europa sind Großteil stark veraltet und befinden sich in gebirgigem Gebiet, das stark von Abwanderung gezeichnet ist. In den Letzten 10 Jahren wurden wegen der Kastaniengallwespe relativ wenige Neupflanzungen erstellt. Südtirol hat den Vorteil, dass die gesamte Menge als Frischware verkauft werden kann und somit eine höhere Wertschöpfung erwirtschaftet wird. Gegenüber manch anderen landwirtschaftlichen Produkten, genießen  Kastanien einen sehr hohen Stellenwert, gerade bei der „nicht bäuerlichen“ Bevölkerung, was wohl auf die naturnahe Bewirtschaftung zurückzuführen ist. Bei optimaler Pflege sind durchaus Erträge von 5000 Kg/Ha möglich. Bei durchschnittlichen  Verkaufspreisen von 4 bis 6 €/Kg und geringen Produktionskosten, kann es durchaus  wirtschaftlich eine interessante Nische sein.  Was es in Zukunft braucht, ist mehr Professionalität im Anbau und in der Vermarktung um dieses Potenzial nutzen zu können.

                                                                                                                                                    info@koesti.it